Pressetext zur Ausstellung

 

 

Julia Wegat, eine junge Künstlerin aus München, setzt sich in ihrem Werk immer wieder mit aktuellen, gesellschaftlich relevanten Inhalten auseinander. Der Themenkreis Heimat und Fremde, Geborgenheit und Einsamkeit nimmt einen großen Stellenwert in ihrem Werk ein.

 

So auch in dem konzeptuellen Doku-Spielfilm “Spit”, der beim Münchener Filmfest 2005 den Bayerischen Sonder- Medien-Preis erreicht hat. Hier will Julia Wegat, die Initiatorin des Projektes, den Blick auf ein in unserer Gesellschaft aktuelles und hoch brisantes Thema lenken: Wie leben deutsch-türkische Jugendliche heute, wie nehmen sie sich selbst wahr, welche Stellung haben die jungen Muslime in unserer Gesellschaft, was machen sie aus ihrem Leben? Realisiert hat die Künstlerin das Projekt zusammen mit dem Projektbetreuer der Bavaria Film, Gasan Alpasan und einer Gruppe jugendlicher Migranten, die alle aus Neuperlach stammen, einem der sozialen Brennpunkte Münchens. Die Jugendlichen waren Drehbuchautoren und Schauspieler. Sie waren zuständig für die Ausstattung und die Filmmusik. Der Film vermischt Wirklichkeit und Fiktion, die Jugendlichen spielen sich selbst, lernen sich und ihre Fähigekeiten unter ganz neuem Blickwinkel kennen, sodass ein authentisches Bild vom Leben junger Menschen am Rande der Gesellschaft gezeichnet wird. Das Filmprojekt berührt und wirft Fragen auf, vor allem aber wirkt es nachhaltig - sowohl bei den Akteuren, als auch beim Betrachter.

 

Parallel zur Filmarbeit hat Julia Wegat einfühlsame Porträts der jungen Migranten von “Spit” geschaffen. Sie treten in der Ausstellung in einen gleichberechtigten Dialog mit dem Film. Wie auch in ihrer älteren Bildern bleibt auch in dieser Bildserie, trotz aller Anklänge an die traditionelle Malerei, der konzeptionelle Ansatz sichtbar. Die Künstlerin impliziert selbstverständlich und doch subtil die Frage nach Heimat und Fremde, nach Verwurzelung und Isolation. Wie bei vielen ihrer anderen Bilder malt sie die Porträts zunächst fotorealistisch in höchster Perfektion auf handelsüblichen Dekostoff. Dessen ornamentale Struktur bleibt teilweise in den Körpern und Gesichtern sichtbar. Danach übermalt sie die Bildnisse teilweise mit einer lasierenden weißen Farbschicht. In diese Farbschicht schreibt sie die Bezeichnung ursprünglich exotischer Pflanzen, die mittlerweile bei uns heimisch geworden sind. Sie sind nach Jahren fest verwurzelt in ihrer neuen Heimat .

 

Damit wird auch die Intention der Übermalung deutlich. Sie soll nicht zerstören, nicht verletzen, sondern eher schützen und verdeutlichen. Sie offenbart mehr als sie verbirgt. Das Resultat dieser Vorgehensweise sind fragmentarische oder nur noch schemenhaft erkennbare Figuren, denen die Künstlerin ein Versteck, einen Ort der Zuflucht bietet.

 

In einem Teil ihrer jüngeren Arbeiten, die unabängig von “Spit” geschaffen wurden, ist die letzte Malschicht durch einen leichten durchsichtigen Stoff ersetzt worden. Die Funktion ist aber die gleiche, nur dass hier der Aspekt der Veränderbarkeit noch eine Rolle spielt.

 

Vom Ansatz her in eine andere Richtung gehen die Alpenpanoramen. Hier hat die Künstlerin auf eine deutlich ablesbare Übermalung verzichtet, ist doch der Malgrund schon von sich aus voller Bedeutung. Der besteht aus einem gebrauchten und als Abfall deklarierten Partydekostoff, mit Fett-, Wachs- und Weinflecken. Das Wegwerfprodukt erhält durch die Künstlerin eine neue Wertigkeit. Die Flecken sind kein Makel, sondern Bestandteil der Komposition. Wie häufig in den Arbeiten von Julia Wegat wurde das eigentliche Bildmotiv, die Gebirgsgruppe samt Gipfelkreuz, aus seinem ursprünglichen Kontext gelöst und isoliert auf den gebrauchten Dekostoff gesetzt, um so eine noch größere suggestive Kraft zu erreichen. Die Schönheit der Natur, die Imposanz der Alpengipfel wird durch das eingesetzte Material gebrochen. Wegat scheut sich in dieser Serie nicht, mit Versatzstücken des Kitsches ein nahezu romatisches Postkartenidyll zu erschaffen. Trotzdem bleibt beim Betrachter eine gewisse Ambivalenz, die sich zwischen Anziehung und Abstoßung bewegt.

 

Innerhalb ihres Werkes nimmt die Malerei bei Julia Wegat einen großen Stellenwert ein. Für sie ist sie nicht nur Ergänzung, sie ist vor allem Notwendigkeit und auch mit ihren jüngsten Arbeiten gelingt es der Künstlerin, den Betrachter intellektuell zu fordern, ihn gleichzeitig aber auch emotional zu berühren.

 

Martina Sutter-Kress M.A.

GALERIE KUNSTRAUM SUTTER-KRESS

 

marguerite (michaela und daniela)

öl / dekostoff

coreopsis (dragana und resmije)

campanula (dragana und resmije)

blumen (dery und esra)

öl / dekostoff

blumen (derya und esra)

öl / dekostoff

ohne titel (rusbeh, kemal und burak)

öl / dekostoff

hyazinth

öl / dekostoff

crysanthema (rusbeh, zeliha, kemal)

öl / dekostoff

maylea (rusbeh, zeliha, kemal)

öl / dekostoff

dahlia (burak und kemal)

öl / dekostoff

yasmin (nihal und nilay)

öl / dekostoff

yasmin (nihal und nilay)

öl / dekostoff