berge sehn

 


berge sehn
 
                                                                    malerei
       Julia Wegat

 

Berg, der: Berge, die; 'ein Berg ist eine Erhebung im Gelände, meist höher oder steiler. Berge können spitz, schroff, blockartig, (un)symmetrisch oder als Tafelberg auch flach sein. Sie können frei in der Landschaft stehen, sind jedoch meist Teil eines Gebirges.‘

sehn, von sehnen, Sehnsucht, die; 'Sehnsucht ist das tiefe Verlangen nach jemandem/etwas, den/das man liebt und/oder begehrt. Auf einer tieferen Ebene kann die Sehnsucht auch auf den paradiesischen Zustand, den die Zeit im Mutterleib darstellte, wo Einssein und Geborgenheit herrschte, zurückgeführt werden. Aus christlicher Sicht ist es eher die Sehnsucht nach Gott und dem Himmel, der die Sehnsucht mancher Menschen bestimmt.‘
der berge sehn wird eine gemäldereihe, 46 arbeiten gleichen formats (60 x 70cm), des digitalen blicks der webcam auf der zugspitze, im zeitraum von oktober bis märz 2005/2006.
das wesentliche an den gemalten bergansichten ist  nicht das panorama an sich, sondern das oben rechts vermerkte datum und die uhrzeit.
daten und zeiten sind jeweils der zeitpunkt zu dem eine person in münchen vereinsamt und anonym verstorben ist.

eine ansicht des bergpanoramas vom höchsten punkt deutschlands zu „konservieren“ und darum zu wissen, dass es sich um den todeszeitpunkt einer person handelt, die einsam gestorben ist, der damit posthume würde verliehen wird,  trägt zeitgenössische christlich-romantische züge. inhaltlich verbindet sich dies mit den sehnuchtsvollen bildern Caspar David Friedrichs mehr, als mit der bekannten alpenländischen malerei und erweitert diese dadurch um ein wesentliches.
die romantische, hoffnungvolle interpretationsmöglichkeit wird durch die majestät der landschaft, deren erhabenheit und das wissen um die tatsächliche höhe / himmelsnähe (?) erreicht.

Man könnte die Kunst daher auch definieren als die, durch das Medium eines vollendeten Geistes hindurchgegangene, für unsere Betrachtung verklärte und zusammengedrängte Natur. Der Grundsatz der Nachahmung,wie er gewöhnlich ganz empirisch genommen wird, läßt sich also geradezu umkehren. Die Kunst soll die Natur nachahmen: heißt mit anderen Worten: die Natur (die einzelnen Naturdinge) ist in der Kunst Norm für den Menschen. Diesem Satz ist geradezu entgegengesetzt der wahre: der Mensch ist in der Kunst die Norm der Natur."
( August Wilhelm Schlegel Kritische Schriften )

in einem romantischen landschaftsbild reflektiert die außenlandschaft die innenlandschaft und umgekehrt. die natur wird zum ausdruck des menschlichen innern. der übliche, mir wesentliche aspekt meiner malerei, das übermalen kann dadurch hier wegfallen, dass der eigentliche inhalt (todeszeitpunkt) bereits im bild verborgen ist, man also nichts zusätzlich etwas verbergen muss.

Julia Wegat (1969; diplom Akademie München 2001; projekte u.a. schönheitengalerie, München 2001; ben-jakov-paintings 2003, SPIT 2004; Männerraum-Frauenraum 2005, memento mori 2005/2006 ), bayerischer filmpreis für SPIT, bayerisches staatsstipendium HWP für memento mori, ist autorin der Gemälde. berge sehn steht im  inhaltlichen bezug zum stipendiumsprojekt memento mori, ohne dass beide projekte sich bedingen.


Julia Wegat im Dezember 2005