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asylum

 

 

       

Julia Wegat

       

asyl, das (griech. asyle): Heim; Hospiz, Zufluchtsort, der/das Menschen Unterschlupf bot, die auf ihrem Lebensweg Schwierigkeiten mit der Bewältigung des Alltags und ihres Lebens überhaupt haben/hatten. Früher: Ort der christlichen Nächstenliebe, oft im Verbund mit einem Kloster oder einer Mission. In den Städten: Pfrundhäuser, Stiftungen, die denjenigen in Not Asyl boten. Heute versteht man unter Asyl primär das aus dieser Entwicklung abgeleitete "Politische Asyl", das anerkannten politischen Flüchtlingen gewährt wird.

julia wegat (diplom akademie münchen 2001; projekte u.a. schönheitengalerie, münchen 2001; ben-jakov-paintings 2003, spit 2004; männerraum-frauenraum 2005, totenprojekt 2005/2006 ), bayerischer filmpreis für spit, bayerisches staatsstipendium hwp für totenprojekt, verbringt über den zeitraum eines halben jahres regelmäßig zeit mit einer gruppe willkürlich gewählter jugendlicher/junger erwachsener, die in deutschland laufend, aber noch nicht entschieden asyl beantragt haben. diese jugendlichen sind zumeist alleine, ohne ihre familien aus ihren heimtlänedrn (kongo, sierra leone, palästina, irak, nigeria, china, russland) geflohen und leben hier in asylantenheimen.

die sprachbarriere ist zum teil enorm, sodass eine flüssige verständigung nicht möglich und, im rahmen des projektes auch nicht erforderlich ist.

nach fotografien werden von den jugendlichen portraits gemalt. diese werden aufgefordert in ihrer landessprache /-schrift persönliche geschichten, erfahrungen, anliegen uvm. über die fertigen darstellungen zu schreiben, sodass das portait hinter den schrift partiell verschwindet.

es entsteht eine bilderreihe von gesichtern und den unterrschiedlichsten schriftbildern und -arten.

eine übersetzung wird nicht angeboten. inhalt des geschriebenen erschließt sich nur dem sprachkundigen, der die entsprechenden sprachen beherrscht.

das projekt reagiert flexibel auf sich verändernden gegebenheiten, die die jugendlichen im projektzeitraum erfahren ("untertauchen", abwanderung, abschiebung uvm.).

meine bisherige arbeit belegt, dass mir ein sensibler umgang mit den jugendlichen und den genannten themen zuzutrauen ist, der eindrucksvolle einblicke in persönliche geschichten und lebensabläufe von individuen in einem als zeitgeschehen anerkannten prozess erlaubt.

2004 habe ich den dokuspielfilm spit (bayerischer medienpreis) gedreht, das ergebnis eines konzeptuellen projektes mit benachteiligten muslimischen jugendlichen aus dem münchener brennpunktviertel neuperlach.

noch 2003 habe ich die ben-jakov-paintings – autorisierte übermalungen der bilder des zeitzeugen max mannheimer beendet und mich auf einer ganz anderen ebene mit identität beschäftig(en müssen)t.

das totenprojekt (bayerische hwp-stipendium 05/06) treibt mich anhand der recherche der biografien verstorbener weit in die (deutsche) geschichte zurück und hat findet themen wie flucht, vertreibung, identität in der neuen, oft unfreiwillig gewählten heimat u.a.

 

Julia Wegat im dezember 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

asylum

 

paintings

Julia Wegat

 

 

 

 

asylum, (Greek. asyle): shelter, hostel, to grant sb, having difficulties in political or private living circumstances. Former: tradition of Christian love, often monasteries or missions. Today mainly understood as political asylum.

 

Julia Wegat, *1969, studied with Gottfried Helnwein and with Ben Willikens at the Akademie der Bildenden Künste in Munich. The Schönheitengalerie( Beauty Gallery), her thesis in 2001 and was shown at Castle Nymphenburg in Munich. The following projects have culminated in her present work, totenprojekt, for which she received a Bavarian State Grant for 2005-06.

2004 she produced the film SPIT with young Turkish-Muslim immigrants. Simultaneously, resulting from interviews with 35 male and female prisoners, mostly murderers, she started work on the project, Schuldigkeitsraum (Room of Duty), an audio-painting installation.

In 2003, at the invitation of Max Mannheimer, a survivor of three concentration camps, she began The Ben Jakov Paintings, a project of painting over his abstract paintings.

 

In 2007 she spends time with an group of deliberately chosen young persons seeking asylum in Germany and not (yet) having got this granted. Those persons having come to Germany on their own, bare of families and relatives from Congo, Sierra Leone, Palestine, Iraq, Nigeria, China, Russia and live in Munich' homes.

To communicate (in German or English) is not possible and not necessary.

 

Wegat paints portraits of those persons and after this these were asked to write their experiences, something personnel about themselves in their own country-language over the painting, so that this will be covered with the handwriting.

This will produce a row of paintings with different languages and writings over them. Translation will not be offered. Only a person able to understand the written language will understand the content.

The project will react flexibly on the changing situation of the asylants ( deportation, emigration, hiding etc.)

 

 

 

 

Julia Wegat im Dezember 2006

 

 

 

 

asylum, Museum für Völkerkunde München 2008

...Julia Wegat, bekannt für Unalltägliches hat ein geschlagenes halbes Jahr an ihrem neuen Projekt gearbeitet. Sie befragte in München eine Anzahl junger Asylanten nach ihren Motiven der Ausreise aus ihrer Heimat Kongo, Sierra Leone, Irak, Russland und anderen Ländern.(...)

Auf Dekostoffen malte sie nach Fotos Portraits der Jugendlichen. Die Formate der so entstandenen Unbekannten-Portraits sind alle gleich groß.Über die Gesichter schrieben die am Projekt Beteiligten ihre subjektiven Empfindungen, Botschaften, Erfahrungen, Anliegen.(...)

Manche schrieben so, dass ihre Augen klar zu sehen sind. Die meisten schrieben - jeweils in ihrer erlernten Sprache - einfach drauf los. Diagonal - oder eben in ihrer jeweiligen Schreibrichtung. Was sie schrieben? Julia Wegat: Eine Übersetzung wird nicht angeboten. Der Inhalt erschließt sich nur dem Sprachkundigen.

Ein Techniker des Völkerkundemuseums konnte die Schrift einer jungen Irakerin entziffern. Sie wäre gern, so schrieb sie, in ihrem Land geblieben. Aber als Frau hätte sie kaum Chancen gehabt, eine ihr vorschwebende Ausbildung zu erhalten. Deshalb sei sie ins Ausland gegangen und habe um Asyl gebeten. (...)

Prof. Dr. Hans Gärtner